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Sepsisforschung im Labor und auf der Intensivstation

01.11.2016

Neue ZIK-Forschergruppe „Translational Septomics“ startet im November am Universitätsklinikum Jena

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Trotz verbesserter intensivmedizinischer Behandlungsmöglichkeiten sterben mehr als ein Drittel der Sepsispatienten an der Erkrankung, die im Volksmund häufig „Blutvergiftung“ genannt wird. Eine Sepsis entsteht, wenn die körpereigene Abwehrreaktion gegen eine Infektion das eigene Gewebe und die Organe schädigt. Auch nach überstandener Sepsis erholen sich die Organfunktionen oft nicht vollständig, so dass die Lebensqualität der Patienten eingeschränkt ist. Die molekularen Mechanismen dieser Organfunktionsstörung sind noch nicht vollständig verstanden, und ihre Bedeutung für die Langzeitprognose der Sepsispatienten kaum erforscht.

Mit ihrer Nachwuchsgruppe Translational Septomics will sich Dr. Dr. med. Sina Coldewey künftig genau dieser Fragestellung widmen. Die aus Medizinern und Naturwissenschaftlern bestehende Arbeitsgruppe ergänzt das Zentrum für Innovationskompetenz (ZIK) Septomics und nimmt im November ihre Arbeit am Universitätsklinikum Jena (UKJ) auf. „Ein wesentlicher Aspekt dabei ist die unmittelbare Verbindung intensivmedizinischer klinischer Studien und experimenteller Untersuchungen im Labor“, so Sina Coldewey. Die Anästhesistin und Intensivmedizinerin forschte mehrere Jahre an der Queen Mary University of London und absolvierte ihre klinische Ausbildung an der Medizinischen Hochschule Hannover. Seit 2014 arbeitet sie als Oberärztin in der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des UKJ.

Ziel sind personalisierte Strategien beim septischen Organversagen

Ihre Forschergruppe wird sich schwerpunktmäßig mit der aufgrund der Sepsis gestörten Herzmuskelfunktion beschäftigen. Sina Coldewey: „Dafür ist eine klinische Studie geplant, in der wir in einem systembiologischen Ansatz von Sepsispatienten umfangreiche klinische und epidemiologische Daten erheben, ihren Immunstatus charakterisieren und eine Vielzahl von Stoffwechselmolekülen untersuchen. Dabei begleiten wir die Patienten von der Intensiv-, auf die Normalstation bis zur Entlassung und ein Jahr danach und vergleichen die Messwerte mit denen von Gesunden und von Patienten mit nicht Sepsis bedingter Herzmuskelschwäche.“ Parallel dazu arbeiten die Wissenschaftler mit Zellkulturen und Tiermodellen, um die Organfunktion bzw. die Funktionsstörung bei akuten und chronischen Infektionen auf molekularer Ebene umfassend charakterisieren zu können.

So wollen die Wissenschaftler Biomarker identifizieren, die einen Hinweis auf den Verlauf der Organschädigung geben können. Ebenso suchen sie nach Angriffspunkten in den an der Krankheitsentstehung beteiligten Zellen und Stoffwechselvorgängen, an denen sich der Verlauf der Sepsis mit Medikamenten beeinflussen ließe. In einer zweiten Studie werden die gefundenen Biomarkerkandidaten dann auf ihre Aussagekraft hin überprüft. „Wir wollen personalisierte diagnostische und therapeutische Strategien beim septischen Organversagen entwickeln, um die mittel- und langfristige Prognose von Überlebenden zu verbessern“, fasst Sina Coldewey das Forschungsziel der Nachwuchsgruppe zusammen.

„Wir freuen uns, dass wir mit Dr. Coldewey eine exzellente Ärztin mit einem starken wissenschaftlichen Profil für unser Zentrum gewinnen konnten“ betont Prof. Dr. Oliver Kurzai, Vorstandssprecher des ZIK Septomics. „Durch ihre Verankerung sowohl in der Klinik als auch in der Grundlagenforschung wird sie zusammen mit ihrer Arbeitsgruppe eine wichtige Schnittstelle zwischen Grundlagenforschung und klinischer Anwendung bilden.“

Das auf fünf Jahre angelegte Forschungsprojekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit rund 8,9 Millionen Euro gefördert.

Kontakt:
Dr. Dr. med. Sina Coldewey
Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Universitätsklinikum Jena
Tel: 03641/9 323190
E-Mail: Sina.Coldewey@med.uni-jena.de

Text: Dr. Uta von der Gönna (UKJ)
Foto: Michael Szabó (UKJ)






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